Druckschrift 
Kampf überall : Novelle / von Ernst Fritze
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ſeine ganze Manneskraft. Dies war das Weſen, welches er als das Ideal ſeiner Träume ſo lange geliebt? Ein Schauder überlief ihn, als er ſich dieſe Geſtalt an ſeine Seite dachte. Sie, die Gefährtin auf der glänzenden Bahn, die ſich ihm jetzt eröffnet hatte! Wo war der gewiſſenloſe Mann, der ſie ihm in dieſer Verfaſſung in's Haus gebracht, nachdem er mit der herrſchſüchtigen Generalin im Bunde den letzten Reſt von geiſtigem Vermögen in Feſſeln geſchlagen und ſie kindiſch gemacht hatte!

Adele, ſagte er mit zitternder, milder Stimme. Die Frau richtete ſich aus ihrer Stellung empor, ſaß kerzengerade eine Secunde da, als gehorche ſie einer unwiderſtehlichen Macht und richtete dann erſt ihr erloſchenes Auge auf den Gatten.

Ach, Du biſt's, Bernhard? das iſt gut, daß Du da biſt. Meineke ſagt, Du müßteſt Dich darum bekümmern, was mir die Kynar'ſchen Erben herauszuzahlen verpflichtet ſind, wenn wirklich kein Teſtament da wäre. Thu' das, Bernhard, bekümmere Dich um die Erbſchaft. So lange ſoll ich hier bleiben; wenn ich aber Tantens Haus in der Reſidenz beanſpruchen könnte, ſagt Meineke, dann wollte er mit ſeiner Frau, der Emma von Grieſacker, zu mir ziehen.

Ringforth hatte alle ſeine Geiſteskraft nöthig, um nicht vor innerem Entſetzen laut aufzuſchreien. Das, was er jetzt erlebte, überſtieg wohl das Maß gewöhnlicher Menſchenſchick⸗ ſale! Wild blickte er um ſich; ſeine Hände griffen nach ſeiner Stirn da ſprach eine liebe, ſanfte Stimme dicht neben ihm:Ruhe, Faſſung, mein Freund! ſie iſt wahnſin⸗ nig und deshalb herzlos! Wir wollen verſuchen, dies erſtor⸗ bene Herz wieder zu beleben.