Druckschrift 
Kampf überall : Novelle / von Ernst Fritze
Entstehung
Einzelbild herunterladen

219

welchem Rechte betrat ſie jetzt ſein Haus mit welchem Rechte beanſpruchte ſie jetzt ſeinen Schutz, ſeine Hilfsleiſtun⸗ gen, ſeine Güte und ſeine Liebe? Er wußte, was für Qualen mit der Wiederaufnahme ſeiner Gattin verbunden waren. Er wußte, was er an ſtillem Glück und ruhiger Friedlichkeit verloren geben mußte; er wußte jetzt erſt, was er bis dahin entbehrt hatte, und was er nun wieder einbüßen ſollte! Die ſtille Geſtalt mit den ruhigen aufmerkſamen Augen, die nur für ſein Wohlſein und für das richtige Ent⸗ wickeln ſeines Knaben ſorgte, trat in aller Glorie echter, ſchöner Weiblichkeit vor ihn hin, und das leiſe Wehegefühl, das er dabei empfand, entdeckte ihm, wie unentbehrlich ihm ihre Nähe geworden war, wie traut, wie lieb ihn ſeine Häuslichkeit ſeit ihrem Schalten und Walten umfing!

Aber nur wenige Augenblicke gab Ringforth ſeiner Bitter⸗ keit Raum, die ihn zu Vergleichungen aufwiegelte und ihn zu unedlen Entſchließungen anzuſpornen ſuchte. Seine Seele verwarf Alles, was ſich unter der Einwirkung der eingetre⸗ tenen Kataſtrophe in ihm regte. Er hatte es in ſeinem letzten Briefe an die Generalin ausgeſprochen, daß der Platz an ſeiner Seite, daß die Stelle an ſeinem häuslichen Herde ſtets für ſeine Gattin bereit ſein würde, wenn ſie von ihrer unglückſeligen Verblendung geneſen ſollte.

Sie war jetzt da! Hilflos krank vielleicht.

Nur um einige Minuten bitte ich, Urſel, ſagte er zu ſeiner zitternden Tochter,ich muß mich zu ſammeln ſuchen, um würdig vor Deiner Mutter zu erſcheinen. Bereite ſie vor auf meine Ankunft.

Urſula ging. Bevor ſie ſich zu ihrer Mutter begab, trat ſie in das Schlafgemach, das ihre Mutter früher inne gehabt