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Kampf überall : Novelle / von Ernst Fritze
Entstehung
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Ringforth's Blick ſuchte zuerſt eine liebe Geſtalt, die hm ſtets in heiterer Gemüthlichkeit erſt ein Willkommen bot, bevor ſie daran ging, für ſeine Erquickung und Bewir⸗ thung im Daheim zu ſorgen. Er ſuchte Leopoldine verge. bens. Nur ſeine Tochter ſtand mit bleichem, von Schmerz und Angſt verzerrten Angeſichte vor ihm.

Wo iſt Poldy? fragte er haſtig, ihr Mienenſpiel prü⸗ fend.Wo iſt Curt?

Curt iſt bei Mama Depping Poldy, ſie konnte nicht weiter ſprechen, ſondern zeigte mit der Hand nach dem Schlafzimmer, wo dieſe treue Helferin in allen Lebensnöthen mit dem Arrangement zu Frau Adelens Unterkommen be⸗ ſchäftigt war.

Urſel, was iſt geſchehen? fragte Ringforth kräftig und feſt wie ein Mann, der gegen Alles gewaffnet ſein muß.

Urſel brauchte ihrem Vater nur zu ſagen, die Mutter ſei da, Tante Kynar todt, und dieſe ohne Teſtament geſtor⸗ ben, um ihm die unbehagliche Situation klar zu machen, welche ihm bevorſtand.

Mit einer Empfindung, die gar nicht zu beſchreiben iſt, hörte Ringforth auf den kurzen, gedrängten Bericht, den Urſula von der Mutter Ankunft, von dem befremdlichen Benehmen und von dem Gemüthszuſtande derſelben machte. Aller Groll, der ſich nach und nach in ſeinem Innern gebil⸗ det, häufte ſich bei dieſem unerwarteten Ereigniſſe und trieb ihn zu einem energiſchen Entſchluſſe. Erſt noch vor wenigen Wochen hatte ihm der Sachwalter der Generalin Kynar in der Reſidenz mitgetheilt, daß er den beſtimmten Auftrag habe, die Eheſcheidung einzuleiten und nun? Nun? Mit

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