„Das iſt gut. Nun aber will ich ruhen. Ich bin müde. Meineke hat die Geſellſchafterin der Tante kurz vor unſerer Abreiſe von Livorno geheirathet. Gieb mir Kaffee, Urſel. Dein Vater muß Nachfragen halten, ob wirklich kein Teſta⸗ ment vorhanden iſt; es iſt nicht denkbar, Urſel. Wovon ſollt ich leben? Seit vier Wochen peinigt mich die Furcht Tag und Nacht!“
„Sei ruhig, gute Mama, Du biſt nun wieder bei uns.
Aber jetzt will ich den kleinen Curt holen laſſen; er iſt mit
)
den Elmore'ſchen Knaben drüben bei Mama Depping—⸗
„Laß— laß!“ wehrte Frau Adele kaltblütig ab.„Nach⸗ her, ich bin müde, ſehr müde.“ Sie trank haſtig ein Paar Taſſen heißen Kaffee und lehnte ſich, alter Gewohnheit ge⸗ mäß, in die Ecke des Sopha's.
Urſula ſtand ſeitwärts. Eine tiefe Bekümmerniß lag in dem Blicke, womit ſie ihre Mutter betrachtete. Eis und Schnee ſtatt Frühlingsluſt! O, wie ſich Alles in den weni⸗ gen Minuten verändert hatte, ſeit ſie am Fenſter geſtanden und von ihrem Glücke berauſcht geweſen war.
„Mich friert, Urſel,“ flüſterte plötzlich ihre Mutter mit dem klagenden Tone eines Kindes.„Mich friert,— mich hat den ganzen Winter gefroren— Niemand hat's mir ge⸗ glaubt, Urſel!“
Unter dem Flüſtern erbarmender Liebe deckte Urſula eine ſeidene Steppdecke über die Mutter, die aber keine kalte Hände, ſondern fieberheiße Hände hatte. Sollte ſie krank ſein? Die Beſorgniß trieb die junge Frau endlich an, Leopoldine aufzuſuchen, um ihren Rath zu hören.
Leopoldine trat ihr ſchon im Nebenzimmer entgegen. Gefaßt und ruhig umſchlang ſie die tief erſchütterte, junge Frau und mahnte ſie, an Arnold zu denken.


