f 4 3 3 4
3
— 215— „Krank war die Tante Kynar nicht. Als ich eines Mor⸗
Zens an ihr Bett trat, um ihr guten Morgen zu wünſchen
war ſie todt. Meineke ſagt, er habe es längſt gefürchtet.“
„Und wo haſt Du gewohnt? wo iſt Tante Kynar ge⸗ ſtorben?“ fragte Urſula eifrig.
„In der Nähe von Livorno. Meineke hatte dort einen Freund, Troett heißt er— durch deſſen Wermittelung kaufte Meineke eine Villa unweit des Meeresſtrandes—
„Gott im Himmel, dann war ich Dir alſo ſehr nahe,
als ich mit Arnold in Florenz weilte!“ unterbrach Urſula
ihre Rede. Ihre Mutter wendete ſich, ſah ſie ſtarr an und fragte:
„In Florenz warſt Du, Urſel?“
„Ja Mama! Auf meiner Hochzeitsreiſe— ich ſchrieb's Dir ja.“
Frau Adele bewegte ihr Haupt mit einem zweifelhaften Ausdruck.
„Du biſt alſo ſchon verheirathet, Urſel?“
Urſula erröthete heiß und ſenkte etwas verlegen ihre
Augen.
„Wo iſt Dein Mann? Hier wohnt ihr doch nicht? Das wär' mir unbequem.“
„Nein, drüben bei Mama Depping in der Bel⸗Etage. O, es wird Dir bei uns gefallen, Mama. Aber wir hoffen, nicht mehr lange hier zu bleiben. Es verlautet, daß der Vater vom neuen Miniſter zu einem bedeutenden Poſten in Reviſionsangelegenheiten verwendet werden wird, und da wir uns nicht gern vom Vater trennen wollen, ſo iſt Arnold ſchleunigſt nach der Reſidenz gereiſt, um den Miſter günſtig für unſere Wünſche zu ſtimmen.“


