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Kampf überall : Novelle / von Ernst Fritze
Entstehung
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Nun bin ich überflüſſig hier; ich will ſie nicht ſtören! Sie flüchtete durch eine Seitenthür nach ihrem Zimmerchen, demſelben, wo früher Urſula gewohnt hatte.

Urſula begrüßte ihre Mutter unterdeſſen. Dieſe zeigte eine Gelaſſenheit, wie man ſie nach einer Trennung von vielen, ereignißvollen Wochen kaum für möglich gehalten haben würde, wenn nicht der Augenſchein die Umſtehenden darüber belehrt hätte. Frau Lindner ſchüttelte empört ihr Haupt und ſchauete dem Begleiter der ſtummen, ſtolzen Dame, der natürlich kein Anderer, als Schulrath Meineke war, ſpöttiſch fragend ins Angeſicht, als er ſich ceremoniell vor derſelben verbeugte und ihr einen baldigen Beſuch verhieß.

Wollen Sie denn nicht bei uns eintreten, Herr Neffe? fragte die Hauswirthin, während Urſula unter leiſen Aus⸗ rufungen über das üble Wetter und dergleichen ihre ſichtliche Verſtörtheit zu verbergen ſuchte und die Mutter ſanft die Treppe hinauf geleitete.

Ich habe nicht eine Minute Zeit, Frau Tante, war des Schulraths eifrige Erwiderung, indem er durch Zeichen dem Kutſcher bedeutete, die Koffer nur im Flure niederzu⸗ ſetzen.Ich muß mit dem Zuge weiter meine Frau wartet draußen auf mich wir wollen nach der Reſidenz.

Ihre Frau, Herr Neffe? platzte Frau Lindner mit dem

Ausdruck des höchſten Erſtaunens heraus.

Ja wohl, antwortete der Schulrath gravitätiſch,meine Frau! Vor acht Tagen weihete mein Freund Troett in Livorno den Ehebund zwiſchen mir und Fräulein Emma von Grieſacker. Das Nähere wird Ihnen Frau Adele Ringforth ſchon mittheilen. Der Herr ſei mit Ihnen; ich muß fort!