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Kampf überall : Novelle / von Ernst Fritze
Entstehung
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Verkehr unmöglich machen wolle. Als Urſula zurück war, benutzte ſie dieſe Veranſtaltung des würdigen Schulrath, um nochmals in kindlich zärtlicher Vertraulichkeit der Mutter nahe zu treten und ſie in die raſche Veränderung ihres Geſchickes ein⸗ zuweihen. Sie bekam keine Antwort, wußte mithin nicht, ob der Brief in die Hände ihrer Mutter gelangt ſei.

Es hilft unſerer Urſel nichts, ſagte Leopoldine vertrau⸗ lich zur Lady Elmore;ich habe Meineke's Brief an ſeine Tante Lindner geleſen und daraus entnommen, daß die Ge⸗ neralin jetzt darauf beſteht, die Scheidung einzuleiten.

In dem Gebahren der Generalin liegt etwas Dämoniſches, was ſich gar nicht mit ihrer Religionsanſicht vereinigen läßt, meinte die Dame;indeß iſt ſie einmal ſo weit gegangen, dann mag ſie ihr Werk vollenden. Ringforth kann nur da⸗ durch gewinnen, wenn er von dieſer ſchwachſinnigen, eitlen Gattin befreit wird.

Die Heilkraft der Zeit bewährte ſich allmälig auch hier. Urſula war glücklich; ihr Vater empfand es als eine Wohl⸗ that, in Leopoldine eine treue und aufmerkſame Geſellſchaf⸗ terin zu finden, und ſein Knabe war mit dem Tauſche voll⸗ kommen einverſtanden, welcher ihm eine verſtändige Erzieherin verſchafft hatte. Es traten Tage der glücklichſten Zufrieden⸗ heit ein. Eine erquickende, geſunde Heiterkeit durchwehete den Kreis, der ſich aus den Familien der beiden Häuſer ge⸗ bildet hatte. Lady Elmore wurde dergeſtalt von dem regen, geiſtigen Leben um ſie her gefeſſelt, daß ſie ihre Abreiſe nach Meran noch immer hinausſchob, wiewohl die Jahreszeit ſie mahnte, daß es jetzt dort am reizendſten ſei. Es war ihr, wie ſie ſelber mehrmals äußerte, zu Muthe, als müſſe ſie noch einen Schluß aller Begebenheiten abwarten, die ſie im Laufe des Sommers und Herbſtes hier erlebt hatte.