„Ja— ja!“ rief Urſula leidenſchaftlich aufgeregt.„Aber ſage mir offenherzig: Thu ich recht, nur an ihn zu denken? Darf ich das Wohl meines kleinen Bruders aus den Augen ſetzen? Wird meinen armen, lieben Vater nicht die Sorge um Curt quälen?“
„Dieſe Sorge übernehme ich!“ ſprach Leopoldine feſt.
Froh überraſcht, ſchauete Urſula in ihr liebes, ſanftes Geſicht.„Ich wagte nicht, Dich darum zu bitten, Poldy,“ flüſterte ſie kleinlaut.
„Haſt Du an meiner Liebe gezweifelt, Urſel?“ fragte ihre Freundin mit ſanftem Vorwurfe.„Dein Vater hat mehr Vertrauen bewieſen,“ fügte ſie nach kurzem Zögern unter flüchtigem Erröthen hinzu;„er hat mich um meinen Schutz und um meine Pflege für Curt gebeten bis zur Zeit, wo Du von Deiner Hochzeitsreiſe zurück ſein wirft. Ich meine jedoch, daß ich um Eures Glückes willen die Stelle einer Hausverwalterin bei Deinem Vater annehmen und als treue und gewiſſenhafte Erzieherin Deines Bruders einen Beruf finden werde.“
Jauchzend vor Freude umſchlang Urſula die treue Freun⸗ din. Ihr Vater war geborgen, und nun empfand ſie die ganze Glückſeligkeit ihres Daſeins ungetrübt. Ihre innern Kämpfe zwiſchen Kindespflicht und bräutlicher Liebe waren durch Leopoldinen's Fürſorge beendet, und ſie konnte ſich ohne Vorwurf den Gefühlen widmen, die, mächtig und beglückend, ein ungetheiltes Herz forderten.
„Komm hinaus, Poldy,“ bat ſie nach einer Pauſe, in der ſie von feierlichen Herzenswallungen verſtummt blieb, „komm' hinaus in's Freie; mich duldet's nicht in den engen Mauern; ich muß mich in die Unendlichkeit des Weltall's


