glückt in der Sorge für ihr neues Töchterchen, daß ſie ſich ſelbſt mit all' ihren Thorheiten darüber vergaß. Das junge Paar ſollte in ihrem Hauſe wohnen, bis ſich Ringforth's Angelegenheiten geordnet hatten.
Ringforth's ernſte, faſt düſtere Stimmung nach dem Ab⸗ gange ſeines Briefes an die Tante ſeiner Gattin zeigte, daß er die ſanguiniſchen Hoffnungen Urſula's nicht theilte. Er trauerte vielleicht weniger über den Verluſt einer Frau, deren Herz er nur theilweiſe ausgefüllt, als über ſeine eigene Her⸗ zenstäuſchung, die ihn jetzt im beginnenden Herbſte ſeines Lebens vereinſamte. Ihn überraſchte es kaum, als er endlich nach peinlichem Harren einen Brief aus Toulon, adreſſirt von einer fremden Handſchrift, erhielt, während Urſula beim Anblick dieſes Schreibens in heißes Weinen ausbrach.
Die Mutter war fort! Fort mit der Tante, auf lange, lange Zeit unerreichbar! Der Schulrath Meineke ſchrieb es in ihrem Namen und ſendete im Namen der Tante Kynar — dieſer harten, herzloſen, in eigenſinniger Verblendung han⸗ delnden Frau— eine bedeutende Summe zur Ausſtattung Urſels—„das letzte, was ſie der hartnäckigen Großnichte mit dieſer Erklärung zukommen ließe.“ Von der Mutter nicht ein Segenswort dazu. Von ihr nicht ein beſchwichti⸗ gendes Wort des Abſchiedes an ihre Familie.
Sie hatte ſich losgeſagt von Allem, was bis dahin zu ihr gehört, und weswegen— weswegen?
Welch' ein düſterer Schatten in Urſula's von Glück durch⸗ leuchteter Zukunft! Als die erſte Erſchütterung überwunden war, legte es ſich wie ein Troſt auf des jungen Mädchens wunde Seele, daß der Schulrath der Begleiter der Reiſenden war und nicht Hubert Depping. Beide vereint mit den


