Druckschrift 
Kampf überall : Novelle / von Ernst Fritze
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 194—

Wie eine Erleichterung kam ihm der Gedanke an eine mögliche Abreiſe der Generalin in's Gedächtniß zurück. Ehe er indeß zu einer klaren Ueberſicht ſeiner Lage und Stellung gelangte, öffnete ſich die Thür des Salons und Frau Adele, friſch und ſtrahlend, wie das Morgenroth eines neu begin⸗ nenden Tages, eilte raſch auf ihn zu. Mit jenem Lächeln, das Urſula ſo bitter zu tadeln wagte— mit jenem Lächeln, das ihr momentan den Reiz der Jugend zurückzugeben im Stande war, reichte ſie dem jungen Manne die Hand und theilte ihm, ohne alle Vorrede, mit kurzen, beflügelten Worten die Nachricht mit,„daß nun das Zerwürfniß mit ihrem Gatten unwiderruflich ſei, daß ihr Gatte lieber ſie aufgeben, als ſeine politiſche Meinung ändern wolle. Die Trennung von ihrer Familie ſei damit unterſchrieben, denn auch Urſula weigere ſich hartnäckig, den Aufforderungen der Tante Kynar Folge zu leiſten und nach der Reſidenz zu kommen.“

Hubert hatte ſtarr vor Erſtaunen der lebhaften Bericht⸗ erſtattung der Dame Adele gelauſcht. Er war in einem An⸗ falle inneren Entſetzens mehrere Schritte von ihr zurückgewichen. Im Nuentfaltete ſich die ganze Reihenfolge von Muthmaßungen, 3 wozu ſein leichtfertiges Handeln Veranlaſſung bot. Im Nu ſtand ſein Bruder mit ſeinen zornglühenden, flammenden Blicken, in welchen ſich Verachtung mit Entrüſtung paarte, vor ihm— im Nu erhob ſich ſeines Vaters Bild; ernſt und drohend war der Ausdruck der Geſichtszüge, womit er, wie ſonſt wohl im Leben, Rechenſchaft von ſeinem Thun und Treiben for⸗ derte, womit er ihn in ſeinem wildeſten Jugendmuthe be⸗ zwungen hatte. Alles, was noch an Moral und Tugend in dem äußerſten Winkel ſeines frivolen Innern aufgeſpei⸗ chert lag, machte ſich plötzlich geltend und mahnte ihn, an ſeine