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Kampf überall : Novelle / von Ernst Fritze
Entstehung
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lauter.„Die Briefe brachten wohl das Maß zum Ueber⸗ ſchäumen?“

„Gnädige Frau hat ſich eingeſchloſſen— Frau Adele iſt angewieſen die Koffer zu packen— ich habe Befehl erhalten: die Dienerſchaft abzulohnen!“

Der Doctor hätte gern laut aufgelacht, ließ es jedoch bei einem vielſagenden Blick bewenden, den er Hubert zuwarf, welcher ein ſtummer Zuhörer geweſen war.

„Sie wiſſen nun Beſcheid, Herr Doctor— kommen Sie!“ flüſterte die Geſellſchafterin eilig vorangehend. Der Arzt folgte. Hubert blieb nachdenklich am Fenſter des Vorzimmers ſtehen, noch uneinig mit ſich, ob er ſich nicht ungeſäumt ent⸗ fernen und ſpäterhin erſt wiederkommen ſolle.

Indem er ſeine Blicke achtlos über die gegenüberliegende Häuſerreihe gleiten ließ, trafen dieſelben auf eine Männer⸗ geſtalt, die ſich langſam und gemüthlich auf dem Trottoir daher bewegte, augenſcheinlich damit beſchäftigt, das Haus der Generalin Kynar gründlich zu betrachten. Wie vom Blitz getroffen, fuhr Hubert vom Fenſter zurück. Das war ſein Bruder Arnold! Schon einmal glaubte er ihm von fern begegnet zu ſein, und er war geflohen um ſeinen Blicken aus⸗ zuweichen. Jetzt beſtätigte ſich, was er bis dahin für eine Eingebung ſeines böſen Gewiſſens gehalten.

Arnold's Anweſenheit in der Reſidenz befremdete ihn. Er wußte ja nichts von den letzten Ereigniſſen in der Heimath; er wußte nichts von der Verlobung Urſula's, weil ſie noch als Geheimniß betrachtet wurde, wußte nichts von dem Eifer ſeines Bruders, womit er das vor Jahresfriſt unterbrochene Examen wieder geltend gemacht und die noch nöthigen ſchrift⸗ lichen Arbeiten mit rieſigem Fleiße ergänzt hatte.

Ernſt Fritze: Kampf überall. 13