Druckschrift 
Kampf überall : Novelle / von Ernst Fritze
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 51—

rungen nicht zurück, ſondern betrachte ſie gleichſam als eine Offenbarung meiner tief gewurzelten Abneigung gegen die religiöſen Ausartungen unſerer Zeit. Mögen Sie danach Ihr Urtheil über mich fällen.“

„Beruhigen Sie ſich, junger Freund. Die Tante meiner Frau iſt durchaus nicht meine Freundin,“ entgegnete Ring⸗ forth,„und ich gehöre nicht zu ihren Verehrern.“

„Das beweiſt mir, wie richtig ich ſie nach ihren Werken beurtheilt habe.“—

Ringforth entließ den jungen Mann mit den Anzeichen eines erwachenden Wohlwollens.

Nachdem Arnold ſich von ihm verabſchiedet hatte, durch⸗ maß Ringforth in einer unbeſchreiblichen Gemüthsſtimmung ſein Zimmer mehrmals, ehe er ſich ſelber wiederzufinden ver⸗ mochte. Sonſt gegen die Fährlichkeiten des Lebens kühl, rang jetzt plötzlich ſeine Phantaſie mit einem unklaren Ge⸗ danken, welcher ſich, gleich einem Phantome rieſengroß aus den Erlebniſſen emporreckte, die rein vom Zufall herbeigeführt waren. In ſeiner geſtörten Seelenruhe ſchwankten die Ideen wie in einem Nebel, während er ſich ſonſt nur an vernünftige und faßbare Gedanken hielt. Er konnte ſich nach den oben erlebten Scenen des Gefühles nicht erwehren, welches einer Furcht vor unſichtbaren Gefahren gleichkam und ihm Sorge vor der Zukunft einflößte. Umſonſt ſuchte er den finſtern und geheimnißvollen Aufruhr ſeines Innern gewaltſam zu dämpfen,— es half ihm ſeine Willenskraft für diesmal nichts. Die letzte Vergangenheit hob ſich gar zu drohend hervor und waffnete ſeine Erinnerungen.

Die Kämpfe, die er durchgemacht, erneuerten ſich. Auf

der einen Seite ſtand ſein Staatsleben mit den Triumphen, 4*

————ö —Iöö