—Q—O—O——
— 36—
„So, ſo?“ fragte Frau Depping,„er hat unfreiwilligen Urlaub?“
„Allerdings, man hat ihn ſuspendirt; man hat den Land⸗ tag aufgelöſt, und man will zu neuen Wahlen ſchreiten. Es wird nichts helfen, denn ſeine Partei wird wiedergewählt, das Publicum hat ſich nun einmal überzeugt, daß die Intereſſen des Landes in guten Händen ruhen.“
„Mich kümmern ſolche Volksgeſchichten ſehr wenig, guter Arnold,“ unterbrach ihn ſeine Mutter,„und eine Verherr⸗ lichung durch ſolch' eine Amtsentſetzung kommt mir geradezu lächerlich vor. Der Kladderadatſch erinnerte neulich ganz richtig daran:„Jeder ſehe, was er treibe, jeder ſehe, wo er bleibe und wer ſteht, daß er nicht falle.“ Ungefähr ſo lautete es, und ich unterſchreibe das Verslein mit vollem Einver⸗ ſtändniß.“
Zerſtreut hatte Arnold die Mutter reden laſſen, was ſie wollte. Seine ganze Aufmerkſamkeit war durch die Frage in Anſpruch genommen, ob es ihm wirklich vergönnt ſein würde, die perſönliche Bekanntſchaft eines Mannes zu machen, den er ſehr hoch ſchätzte.
„Wenn ich nur wüßte, ob er es wäre! wenn ich ohne unbeſcheidene Forſchung erfahren könnte, Mama, ob der Herr—“
Weiter kam der junge Mann in ſeiner Rede nicht. Leopoldine hatte ſich ihm unbemerkt genähert, nahm ihm die Flugſchrift, die er noch immer in der Hand hielt, und über⸗ las flüchtig das Titelblatt, worauf Name und Stand des Verfaſſers angegeben war. Sie fand, was ſie ſuchte, deutete mit dem Finger auf die Stadt, wo der Oberſtaatsanwalt fungirt hatte und ſagte ſanft und leiſe:„Gewißheit kann ich
—— 3———


