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und hatten ihr das Weſen des Mannes, dem ſie ſtill und treu angehangen, in ſeiner wahren Verfaſſung gezeigt. Der Stoff zum Nachdenken lag alſo nahe; aber noch war kein Entſchluß in ihr gereift, was ſie thun ſolle, um ihre Lebens⸗ ſtellung fortan mit ihren veränderten Lebensanſprüchen in's Gleichgewicht zu bringen.
Die friedliche Stille um ſie her wurde durch Hubert's ſtürmiſchen Eintritt jähe unterbrochen. Der junge Mann be⸗ fand ſich augenſcheinlich in gereizter Stimmung, rannte einige Male im Zimmer hin und her und ſagte dann laut und herbe: „Alſo Du kannſt nicht erfahren, wer die Herrſchaften dort drüben bei Lindners ſind? Sonderbar, daß Du das nicht er⸗ fahren kannſt, Poldy— ſonderbar, ſehr ſonderbar! Auf Ehre! Ich intereſſire mich lebhaft, von Stunde zu Stunde lebhafter, für das reizende Kind dort drüben; ich wünſche aber vor allen Dingen erſt zu wiſſen, wer und was ihr Vater iſt, und Du behaupteſt, es nicht erfahren zu können—? Sonderbar, ſehr ſonderbar!“
„Du würdeſt mir unrecht thun, wollteſt Du an meinem guten Willen zweifeln, Dir die gewünſchte Auskunft zu ver⸗ ſchaffen,“ entgegnete das Mädchen ſanft.
„Warum weigerſt Du Dich denn zur Madame Lindner zu gehen und ſie zu fragen?“
„Weil mir unſere Köchin verſichert hat, Madame wiſſe es ſelbſt nicht, wie der Herr heiße.“
„Aber— ob er von Adel iſt? Du weißt ja, daß es mir bei meinen Heirathsprojecten hauptſächlich darauf ankommt, mit einer vornehmen, adligen Familie anzuknüpfen.“
Leopoldine blickte ſeitwärts auf, neigte jedoch, ohne zu antworten, mit einem geringſchätzigen Lächeln ihr Geſicht wieder auf ihre Näharbeit.


