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Kampf überall : Novelle / von Ernst Fritze
Entstehung
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Drittes Kapitel.

Leopoldine Depping ſaß allein im Wohnzimmer. Zwei Tage waren ſeit jenem Morgen vergangen, zwei Tage voll bitterer Erfahrungen, voll harter Seelenkämpfe hatten das junge Mädchen ernſter und bleicher gemacht. Sie hing ihren Gedanken nach, welche ſie zuvörderſt in die Vergangenheit zu⸗ rückführten, wo ſie auf tauſend verrätheriſche Momente ſtieß, die ihr die Zuverſicht eingeflößt, daß Hubert ſich ihr mit wärmeren Empfindungen widmete, als man ſich für gewöhn⸗ lich Couſinen gegenüber zu geſtatten pflegt. Er war ſeit einem Jahrzehnt dem elterlichen Hauſe entrückt geweſen, immer nur für kurze Zeit auf Urlaub darin erſchienen und hatte dann ſtets den gelegentlichen Neckereien ſeines jovialen Vaters, ſich Leopoldinen zur Frau zu wählen, ſichtbar Beifall ge⸗ ſchenkt. Das Verhältniß zwiſchen ihm und Leopoldine nahm unmittelbar nach dem Tode ſeines Vaters einen andern Cha⸗ rakter an. Die Neckereien fielen fort, Hubert änderte ſeinen Ton gegen ſie, und nöthigte ſie dadurch, weniger zutraulich

gegen ihn zu ſein. Aber ſie erwartete trotzdem allen Ernſtes faſt täglich eine Erklärung von ihm, die ſie offenkundig zu ſeiner Braut machen werde. Während Leopoldine den meiſten Familiengliedern des Hauſes allgemach läſtig wurde, hielt ſie ſich noch immer für unentbehrlich ein Irrthum, der ihr zu verzeihen war, ein Irrthum, in welchen gutmüthige und liebe⸗ volle Menſchen ſo leicht verfallen, wenn man ſie, ſchlau be⸗ rechnend, zum allgemeinen Beſten verwendet. Die Augen waren ihr indeß in den verfloſſenen zwei Tagen aufgegangen