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Kampf überall : Novelle / von Ernst Fritze
Entstehung
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Ihr Gatte ſchlang ſeinen Arm um ihre Taille, zog ſie nahe an ſich heran und dankte ihr für dies gute Wort. Sein Auge richtete ſich ſo treu und liebevoll auf die ſchöne Ge⸗ ſtalt wie vor achtzehn Jahren, wo er, bezaubert von ihrem Liebreiz, für ſie entflkammte und ihr das Gelübde der Liebe und Treue ausſprach, ohne geprüft zu haben, ob ſie jemals ein Verſtändniß ſeines geiſtigen Lebens und Strebens gewin⸗ nen würde. Er hatte damals nicht bedacht, was für ein Wagniß es war, die verwöhnte, großartig erzogene Nichte der Generalin Kynar zur Gattin zu wählen. Die Verhält⸗ niſſe Adelens ſchienen ihm nicht glänzend genug, um eine Furcht darüber aufkommen zu laſſen. Sie war die hinter⸗ laſſene Tochter eines Bruders der Generalin, und ihre Auf⸗ nahme wie ihre Erziehung in dem glänzenden Haushalte der Tante war ein Act der Güte. Damals lebte der Sohn und Erbe der Generalin noch. Dieſer Sohn war ein Opfer des Krieges im Jahre 1866 geworden. Danach ſtieg freilich die Hoffnung Adelens auf eine Erbſchaft des großen Vermögens, und ihre Characterſchwächen ſteigerten ſich raſend ſchnell mit dieſer Hoffnung.

Ihr Gatte vertraute ihrem geſunden Verſtande und ihrem guten Herzen bei allen Anfällen von Mißſtimmung und von Unzufriedenheit mit ihrem Geſchicke. Er war der Anſicht, daß Willenskraft und Geiſtesſtärke des Mannes die beſte Abwehr gegen Launen ſei, daß der Mann nur dahin trachten müſſe, die Oberhand zu behalten. Was dabei dennoch ver⸗ loren gehen könne, beachtete er nicht. Daß der Ausdruck in den Augen der Gattin weniger Liebe als Gleichmuth verrieth, ſtörte ihn für den Augenblick nicht in ſeiner Freude über den wiederhergeſtellten Frieden.