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Urſel benutzte die Gelegenheit, wo ſie ſich ihrem Vater nähern mußte, ſchlang ihren Arm um ſeinen Nacken und flüſterte mit lieblichem Schmeichelton:„Nicht wahr, Väter⸗ chen, ich bin Dein beſter Freund?“
„Ja, Urſel, ja, Du biſt und bleibſt mein beſter Freund,“ wiederholte der Vater, in ſichtlicher Erregung der ſchweren und bittern Minute gedenkend, wo ſie als kleines Kind diefen Troſt in ſein verzweifelndes Herz geträufelt hatte.
„Und als beſter Freund darf ich Dir wohl aufrichtig meine Meinung ſagen,“ fuhr das junge Mädchen zärtlich fort.„Ich glaube, Du hätteſt gut gethan, der Mutter den Beſuch bei ihrer Tante Kynar nicht abzuſchlagen; ſie kann es nicht ver⸗ ſchmerzen, daß Du ihr dieſe Freude nicht geſtatten wollteſt.“
„Nein, Urſel, ich durfte, unſerer und ihrer eigenen Wohl⸗ fahrt wegen dieſen Beſuch jetzt nicht zugeben.“
„Warum nicht, Väterchen? Mama würde erheitert und erfriſcht zu uns hierher gekommen ſein, während ſie jetzt im beſtändigen Kampfe mit ihrem Verdruß krank werden wird.“
„Das iſt ein Uebel, was vergeht. Tauſendfach größer
wäre der Schaden, den ihr Beſuch in der Reſidenz angerichtet
hätte. Du ſiehſt mich zweifelnd an, Urſel. Nun, entſcheide ſelbſt, ob es rathſam geweſen, Deine Mutter zu den Leuten zu ſchicken, die mich haſſen, die mich verabſcheuen, ſeitdem ich unerſchütterlich ein Ziel verfolge, das ihnen widerwärtig iſt; ſeitdem ich gegen den ankämpfe, welcher den Stern ihrer Clique bildet.“— Die peinliche Empfindung, die ihn in dieſem Momente beherrſchte, drückte ſich unwillkürlich ſo ſcharf in ſeinen Zügen aus, daß ſeine junge Tochter nicht wagte dies Thema weiter zu verfolgen. Es war allerdings ein her⸗ ber Contraſt im Leben dieſes Staatsbeamten, daß die Men⸗
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