— 135—
Dir nichts verloren gegangen; Du haſt Alles, was Dich bis⸗ her beglückt hat.“—
„Welch' eine thörichte Behauptung, Bernhard,“ fuhr die Dame empfindlich auf.„Alles habe ich verlaſſen müſſen, was mir lieb und theuer war, was ich hoch und werth hielt! Wie willſt Du mir erſetzen, was ich bei dieſer furchtbaren Wand⸗ lung unſers Geſchickes einbüßte?“
Der Mann lächelte ſchmerzlich.„In ſolcher Stimmung nimmſt Du niemals Rückſicht auf das Gefühl, das uns für's ganze Leben zuſammengefügt, darum will ich mich ſelbſt mit meiner herzlichen Liebe und mit meinem guten Willen gar nicht in Anrechnung bringen, aber blicke auf Deine Kinder, erwäge das ungeſtörte Wohlbehagen Deines Lebens. Was iſt denn weſentlich vernichtet in Deinem Glücke, wenn die Grund⸗ lage deſſelben unverſehrt iſt?“
Die Dame ließ verächtlich ihren Blick durch die überſeh⸗ baren Räumlichkeiten ſchweifen, hielt indeß eine Beantwortung der Vorhaltung nicht für zweckmäßig.
„Gefällt Dir die Wohnung nicht, ſo ſuchen wir eine andere,“ fuhr der Herr fort,„indeß rufe ich Dir in's Ge⸗ dächtniß zurück, daß ich die Schuld an dieſem Mißgriff nicht trage. Du ſelbſt haſt nach den Rathſchlägen Deiner Tante Kynar dieſe Stadt als Wohnort und dieſe Wohnung als Aſyl für die nächſte Zeit gewählt, als wir Beide überein⸗ ſtimmend für gut hielten, unſern bisherigen Aufenthalt ſo lange zu verlaſſen, bis meine Angelegenheit vollſtändig ge⸗ ordnet und meine Zurückberufung in's Amt bewerkſtelligt ſein wird.“
„Das dürfte nimmer geſchehen— nimmer! Der Miniſter hat meiner Tante Kynar rundweg jede Audienz dieſerhalb abgeſchlagen.“


