Teil eines Werkes 
1. Theil (1862)
Entstehung
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breitete und jedes Plätzchen, wo ſie mit Aegyd geweilt, noch einmal begrüßte.

Joſepha fühlte die Heiligkeit ihrer Gedanken. Leiſe, um fie in ihrer Exaltation nicht zu ſtören, ſchlich ſie von ihrer Seite und wendete ſich dem Felſenpfade zu, der gleich einer Brücke den Eingang zur Klippe bildete.

Warum blieb ſie dort ſtehen, ſtarr und wie ge⸗ bannt? Sollte ſie einen Weg zu betreten fürchten, den ſie ſo oft mit der Behendigkeit einer Gazelle über⸗ ſchritten hatte?

Nein, o nein! Dort drüben am Wege, vom Schatten der eintretenden Dämmerung umhüllt, dort ſtand eine hohe, ſchlanke Männergeſtalt, eben im Be⸗ griffe den Pfad zu betreten, der nur Raum für einen Menſchen bot. Wer war dieſer Mann? Ihr Herz ſagte es ihr mit lauten Schlägen. Aegyd war es! Ja, das war Aegyd in ſeiner ernſten Majeſtät, mit den mäch⸗ tigen, dunklen Augen, von der Stirn bis zum Fuße eine göttergleiche, gebietende Geſtalt! Scheu wich das junge Mädchen zurück. Sie gab ihm willig Raum, als er be⸗ flügelten Schrittes über den Pfad eilte, und ſie ſtand wie bezaubert, als er, Margot in ihrer betenden Stellung er⸗ blickend, ſeinen Schritt plötzlich hemmte, und nur mit unendlicher Trauer und Liebe ihren Namen ausſprach.

Margot fuhr auf aus ihrer Andacht. Dieſe Stimme Idalium. I. 15