Teil eines Werkes 
1. Theil (1862)
Entstehung
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Wie ſchön war Margot, welch' ein Ebenmaß in allen Formen, welch' ein Hauch vom innern, tiefglühenden Leben in den prachtvollen Augen, wie zart gefärbt das Geſicht, welches von dunkeln Locken umwallt war. Ein einfaches weißes Gewand umſchloß die edle Geſtalt und ein breites blaues Atlasband fiel von der Taille bis zur Kante des geſtickten Kleides herab. Den Hut trug ſie am Arme. Auch dieſer war reichlich mit blauem Bande verziert.

Auch Du biſt ganz wie damals, ſprach Joſepha lächelnd nach der Muſterung ihres Auzuges.Noch im⸗ mer weiß mit blauen Bändern, wie ich vor Zeiten meine Margot geſehen.

Ein glühendes Erröthen flog über Margot's Wangen und ſie ſenkte das Auge. Ob es wohl nicht Abſicht war, noch ein einzig' Mal im weißen Kleide mit blauen Schleifen vom entſchwundenen Liebesglücke zu phanta⸗ ſiren? Sie hatte nicht Zeit darüber Antwort zu geben, denn von der Seite, wo Kleineck lag und die Landſtraße vorbei führte, tönte ganz fern ein Poſthornſignal, das die Aufmerkſamkeit Beider für den Augenblick feſſelte. Joſepha lauſchte mit klopfendem Herzen danach ob es näher kam Margot aber ſprach gleichgültig:Es wird mein Bruder Lothar ſein!

Das Signal kam nicht näher, ſondern entfernte