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„Ich, die arme Sefi, ſoll die Gräfin Toska Du nennen?“ fragte Joſepha im Tone naiver Verwunde⸗ rung.„Ich bin ja nur der Fran Dorſak Tochter!“
„O mir biſt Du das liebſte Andenken an meine ſchöne Jugend“, rief Margot leidenſchaft d,„mir biſt Du das einzige Weſen, das mich noch lieben kann und darf, mir biſt Du die geliebte Zeugin meiner ſeligſten Stunden! Weigerſt Du Dich noch, mich Du zu nennen, Sefi?“ Das junge Mdhen lehnte verſchämt ihre Stirn auf Margot's weiße Schulter, die, wie von einem innern Schluchzen erſchüttert, bebte.
„Ich gehe fort aus dem Vaterlande“, begann Margot nach einer Pauſe, während deren ſie nach Faſſung gerungen hatte, auf's Neue, aber viel kälter und ruhiger.„Weißt Du, daß ich nach Rußland muß?“ Als Joſepha nickte, fuhr ſie fort. 3c mußte noch ein einzig' Mal hier ſtehen, um Abſchin vom Heimatlande zu nehmen, un als ich hier ſtand, da wallte mein ganzes Herz in traurig ſüßer Prirnerdeg auf, denn Du lagſt dort auf dem znsgen Abhange, ganz wie vor langer, langer Zeit und doch wieder anders wie damals, o ſo ganz anders.“
Sie hob Joſephen'’s Geſicht am Kinn empor und ſah ihr liebreich in's Auge.
Auch Joſepha ſchauete ſie ernſt und ſinnend an.


