Teil eines Werkes 
1. Theil (1862)
Entstehung
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und die Geſtalt hob einen weißen Schleier, ließ ihn durch die Lüfte wehen und winkte.

Im Fluge durcheilte nun Joſepha, aller Wege kundig, die ſchmalen Felſenpfade, die nach den Klippen hinaufführten, im Fluge überſchritt ſie die gefährliche Felſenkante, die die zerklüfteten Gebirgsmaſſen noth⸗ dürftig verband. Sie war auf der Klippe, ehe die weiße Geſtalt es erwarten konnte, ſie war da und ſank mit dem Jauchzen der kindlichen Luſt vor der Dame nieder, die ſie in ihren Armen auffing.Margot Margot!

Meine Sefi flüſterte Margot mit unendlicher Liebe und Wehmuth.Du kennſt mich noch, meine liebe Kleine? Du erinnerſt Dich meiner?

Joſepha hob ihr Lockenköpfchen raſch empor und entgegnete freimüthig:Nein, o nein! Ihr Bild war in mir bis zur traumhaften Unkenntlichkeit abgeblaßt, aber Emmy hat es in mir geweckt, als ſie mir von Ihrer Verheiratung erzählte!

Ein Schleier zog über die ſonnenhellen Augen der Dame bei der Erwähnung ihrer Heirat.

Laß das ruhen, ſagte ſie unheimlich leiſe, indem ſie raſch nach allen Seiten blickte.

Nenne mich Du, meine Sefi! fügte ſie ſchnell hinzu, indem ſie ihre Lippen auf des Mädchens Stirn preßte.