Teil eines Werkes 
1. Theil (1862)
Entstehung
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Wo Herr Engelbrecht Maltmann früher gelebt, ob er, durch Unglück oder durch eigenes Verſchulden getrieben, in Idalium einen Zufluchtsort hatte ſuchen müſſen, das erfuhr Niemand. Es blieb ſogar zweifel⸗ haft, ob überhaupt das Leben dieſes Mannes jemals getrübt worden ſei. Sein glatt raſirtes Geſicht zeigte viel Seelenruhe und Gleichmüthigkeit und wenn er, ſtets einſam und allein, ſehr langſam und bedächtig den ſchmalen Waldpfad entlang bis zum See hinab⸗ ging, um von dort den Untergang der Sonne zu belauſchen, ſo forſchten die Blicke der Neugierigen im Dorfe vergeblich nach irgend einer verrätheriſchen Bewegung in ſeinem Mienenſpiele.

Mit philoſophiſcher Ruhe ſchritt er dorthin und eben ſo unbewegt begab er ſich, die Hände auf dem Rücken, wieder zu ſeiner Wohnung zurück, die ein Stückchen höher belegen war, als der See im Thal⸗ grunde. Daß er mit demſelben Geſichtsausdrucke jeden Morgen auch den Aufgang der Sonne, an ſeinem Fenſter ſtehend, erwartete und die Blicke ein klein wenig unruhiger über den See hinwegſchweifen ließ, gerade ſo, als wolle er fragen:Iſt dies der Tag, der mir das bringen wird, was mich beglücken würde? davon wußte kein Menſch, außer ſeinem Georg et⸗ was. Man hielt den Abendſpaziergang für eine Ge⸗