25
„Als ich Deine Verlobung mit dem Grafen Levin erfuhr, durchlief ein Schauer der Ahnung meine Seele, daß dieſer Graf Levin derjenige ſein könne, den man den Vertrauten, den Helfershelfer des knabenhaft übermüthi⸗ gen Prinzen Erich nannte. Ich war nicht im Stande, ohne bemerkbares Aufſehen Erkundigungen darüber einzuziehen, und erſt am Tage vor meiner Abreiſe nach Leipzig, von wo aus ich zu Deiner Hochzeit wollte, beſtätigten ſich meine Befürchtungen. Gleich darauf traf ganz unerwar⸗ tet mein Pflegeſohn Alexander ein, unter ſeinen Geſtänd⸗ niſſen befeſtigte ſich der Vorſatz, Dich aus den Händen deſſen zu retten, den die allgemeine Stimme mit dem wüſten Prinzen in einem Athem nannte. Meine eigenen Erfahrungen flüſterten mir Muth ein, als ich ſorgenvoll des Wagniſſes gedachte, das ich zu unternehmen beſchloß, und ich hob entſchloſſen die Stirn, um der Welt zu tro⸗ tzen, indem ich Dich rettete.
„Es iſt jetzt meine Pflicht, den Schleier von der
Epiſode meines Lebens zu ziehen, in der ich den Grund⸗ 1860. XV. Gertrud. IV. 2


