lähmte ihre Bewegungen. Sie erinnerte ſich plötzlich, daß dieſe Pforte nie verſchloſſen wurde. Sie war ſo fern vom Hauſe, daß man einen Hilferuf von ihr gar nicht zu hören vermochte.
Aber wer beſchreibt ihr Gefühl, als das Gebüſch ſich theilte und der Graf Levin vor ihr erſchien. Die Zu⸗ veerrſſicht der Liebe, der Muth des Vertrauens kam über ſie. Mit dem Lächeln eines Engels trat ſie ihm näher, und ihre Augen ſtrahlten, während die tiefen Schatten des Unmuthes ſich auf Levin's Stirn zu lagern began⸗ nen, und er tauſendmal ſeinen Einfall verwünſchte, der ihn mächtig zu dem ſtillen Aſyle getrieben hatte, wo ſie gewandelt, von dem er ſie jedoch weit entfernt glaubte.
Finſter ruhte ſein Auge auf der Geſtalt, der er um Alles in der Welt nicht zu begegnen gewünſcht hatte, als ſie auf ihn zueilte und hingeriſſen in die Worte ausbrach: „Levin! Gott hat es gefügt! Gott hat meine Schritte gelenkt! Sie müſſen mich hören, und um Gottes Barm⸗ herzigkeit willen müſſen Sie mich hören!“
Graf Levin ſtand und ſah ſie kalt an. Ihre Au⸗ gen hoben ſich zu ſeinen kalten Blicken empor, ein Glanz von Zärtlichkeit webte in dieſen ſonſt ſo ſtillen blauen Augen— er blieb kalt.
„Wozu ſoll ich Sie hören, mein gnädiges Fräu⸗ lein?“ fragte er ſo ſeelenlos, wie möglich.


