1
☛
muthloſer wurde ihr Gang. Alles, was ſeit einem Jahre in ihr geſchlummert hatte, was von ihr mit feſter Selbſt⸗ beherrſchung eingelullt worden war, das wachte in dieſer Minute auf. Es trat der Jahrestag vor ſie hin, wo ſie den wilden Reiter zum erſtenmale geſehen hatte. War es nicht auch ein Septembertag geweſen, wie der, wel⸗ cher eben zur Ruhe ſich rüſtete? Die Natur gab alſo ſolche Tage zurück! Warum ſollten ihr allein die Freu⸗ den verſagt bleiben, nach denen ſie ſich ſo unbeſchreiblich, ſo bange und wehmüthig ſehnte? Wozu dieſe harte Schule einer fortdauernden Prüfung?
Eine tiefe, ſchmerzliche Trauer überfiel ſie bei dieſen Fragen, die ſie nicht mit vermeſſenem Uebermuthe, ſon⸗ dern in der Demuth einer wahrhaften Weiblichkeit aus⸗ ſprach.
Unter ihren tumultuariſchen Gedanken war ſie hin⸗ auf gegangen bis zum äußerſten Bogengange, der an der Mauer des Gartens abſchnitt, und ſie wendete nun um. Ein leichtes Geräuſch wurde zwar von ihr vernommen, aber nicht weiter beachtet. Es drang aus einem Seiten⸗ pfade, der nach der Pforte führte und den ſie noch nie betreten hatte. Verſunken ſchlich ſie weiter, bis ſie zu dem ſchmalen Fußwege gelangte. Das Rauſchen der Blätter machte ſie ſtutzen. Es war, als wenn Jemand durch das verwachſene Gebüſch ſchreite. Sie ſtand ſtill. Schrecken


