Teil eines Werkes 
4. Band (1860)
Entstehung
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hatte, als ſie es vollſtändig zu begreifen begann. Ihr Nachdenken regte ſie auf. Von den Wellen des Zufalls hin und her geſchleudert, hatte es ihrer angeborenen Cha⸗ rakterſtärke bedurft, um ſich über einer moraliſchen Ver⸗ nichtung emporzuhalten. Sie fühlte, daß ſie gerettet war. Aber würde ſie im Stande ſein eine gänzliche Hoffnungs⸗

loſigkeit zu ertragen?

Sie bezweifelte es! Die Aufregung dieſes Augen⸗ blickes belehrte ſie, wie wenig dazu gehörte, die ſtoiſche Ruhe zu erſchüttern, mit der ſie ſich verſehen hatte, und ſie hob flehend ihr Auge zu dem empor, der ein Lenker aller Schickſale iſt.

Dann fragte ſie ſich, woran ihre Hoffnungen auf Wiedervereinigung eigentlich ſcheitern könnten. Lag ein Vergehen von ihrer Seite vor? Eine Schuld, die ſie von dem Geliebten zu trennen vermochte? Lag Zwieſpalt in der gewaltſamen Löſung ihres Bundes?

Nein! Aber die furchtbaren Feinde ihrer Hoffnung ſtanden klar vor ihren traurigen Blicken. Es waren die Erbfehler des Brettow'ſchen Geſchlechtes! Was half es, wenn ſie Irrthümer aufklärte, was half es? Der Stolz und die Unverſöhnlichkeit der Brettow's bildeten eine Scheidewand von unzerſtörbarer Kraft.

Margareth ſchritt langſam vorwärts. Ihre Unruhe wuchs, und je ſehnſüchtiger ſie nach Troſt verlangte, deſto