Kloſterruinen angehalten habe, um unverwandt auf die Probſtei niederzuſchauen. Erſt als er ſie gewahr gewor⸗ den, ſei er langſam weitergeritten.
Gertrud ſchaute hell in Margareth's Geſicht.„Le⸗ vin!“ flüſterte ſie ſchelmiſch, und Margareth eilte ſich mit den aufflammenden Regungen ihres ſtillgewordenen Her⸗
zens dieſer neckenden Laune zu entziehen.
Sie ging in den Garten. War es denn möglich, daß ein Wort, ein unbewachter Blick die Träume wieder erwecken könnte, die ſie mit Gewalt verſcheucht hatte, um unverzagt an dem Werke ihrer Ehrenrettung arbeiten zu können?
Wo waren die ruhigen Vorſätze geblieben? Wo die Worte, die ſie ſich eingeprägt hatte, um vollſtändig ge⸗ waffnet zu ſein?
Ihr Herz pochte hörbar, als ſie in den abendlich
duftigen Garten eilte, als ſie von der Möglichkeit ſeiner
unverlöſchten Liebe gewaltig getroffen mit einer Art Glückſeligkeit daran dachte, daß er ſeine Blicke nicht ohne Sehnſucht auf ihre Wohnung gerichtet haben könne. Ihre Phantaſie füllte ſich um ſo mehr mit lieblichen Träumen, je ernſtlicher ſie danach getrachtet hatte, mit Ruhe und Kälte den Zuſtand ihres Innern zu verhärten. In dem ſtillen Frieden des Abends lagen für ſie Auf⸗ forderungen zurück zu blicken in die Vergangenheit, wo


