Teil eines Werkes 
3. Band (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

221

bene Liebe nicht das Gold des Lebens, der Stern Ihrer Zukunft geweſen iſt? Haben Sie nicht, wie alle ein⸗ gefleiſchten Alchymiſten, einen Stein der Weiſen geſucht und dabei Ihr menſchliches Daſein in den Kauf gegeben? Brettow ſah das Fräulein unverwandt an. Es ging ihm ein Schauer durch die Seele, als ihm dieſe Worte eine Seelentiefe des jungen Weſens enthüllten, dem er allerdings mehr Vertrauen ſchenken mußte, als er gethan hatte. Er war von einem Schmetterlinge bezaubert gewe⸗ ſen, und hatte ihn den ſonnigen Elementen überantwortet, um ihm ſeine trivialen Lebensfreuden zu gönnen, und jetzt fand er, daß der Schmetterling eine Pſyche war. Wiſſen Sie, mein Herr von Brettow, was ich glaube? Wiſſen Sie, wovon ich feſt überzeugt bin? be⸗ gann Gertrud wieder, aber ihre Geſtalt hob ſich und ihre Stirn ſtrahlte von der Macht ihres innern Weſens. Sie haben das Gold Ihres Stolzes in den Schmelztiegel geworfen und haben Hochmuth herausgeſotten Sie haben Ihren Muth verſchwendet, um auf die Erbärm⸗ lichkeit der Menſchennatur zurückzukommen, die nach ſolchen Experimenten als Bodenſatz zurückbleibt und dann dazu dient, den Egoismus als Seelenruhe zu betrachten. Ihre Freundſchaft iſt ein jämmerlicher Erſatz! Wehe dem, der ſich damit zufrieden geben ſoll, wenn er Sie je geliebt hat. Sie legte ihre Hand über die Augen. Wolf warf ſich leidenſchaftlich zu ihren Füßen nieder. Er war nicht