Teil eines Werkes 
3. Band (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

208

Bittende, wie eine Bettelnde? Sie, die Verwandte des churfürſtlich⸗ſächſiſchen Feldmarſchalls? Ihr Blut em⸗ pörte ſich und ſie blickte kühn und ſtrafend die Offiziere an, die ſich nicht regten, um das ſächſiſche Fräulein zu einem Seſſel zu geleiten. Das waren aber Männer, die beſſer mit einem Könige von Preußen umzugehen wußten, als das Fräulein von Spärkan. Da ſtand der Oberſt von Seydlitz, mild lächelnd, und blickte ſie mahnend an, als ſie einige Schritte vorwärts machte. Er ſchüttelte vielſagend ſein ſchönes männliches Haupt und hob war⸗ nend die Fläche der Hand gegen ſie auf. Auch der Gene⸗ ral von Winterfeld, der achtſam neben dem Herrſcher verweilte, wendete ſich nochmals und ermahnte panto⸗ miniſch zur Geduld, bis der König im Stande ſei, für ihr Anliegen Ohr zu haben.

Jetzt bereute Gertrud ſchon ihren Einfall, ſich für fremde Sünden zu opfern, aber es war leider zu ſpät. Sie mußte nun, gleich einer armen Sünderin, aus⸗ harren.

Eine peinliche Viertelſtunde verrann für die war⸗ tenden Generäle und Oberſten eine Zeit der Langeweile, für Gertrud Minuten voll Höllenqualen.

Endlich hob der König ein ganz klein wenig den Kopf, ließ einen Seitenblick auf die harrende junge Dame ſtreifen und fragte unter allen Zeichen einer grämlichen Laune:Was will die Mademoiſell?