Teil eines Werkes 
3. Band (1860)
Entstehung
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Laue Frühlingslüfte weckten die Hoffnungen auf neues Leben und neue Blüthen in der Natur. Auch das Menſchenherz athmet an ſolchen Tagen der Frühlings⸗ ahnung wieder auf und blickt fromm vertrauend zum Himmelsſchöpfer empor, der die Wolken mit Sonnen⸗ ſtrahlen verjagen kann.

Margareth war vom Baron Biska gebeten, als Stellvertreterin Gertrud's beim Tauffeſte zu erſcheinen, und ſie ſchmückte ſich mit aller der Pracht, die damals zu einem Gevatterſtande nothwendig war.

Aber ſchöner, als die glänzenden Gewänder, kleidete der jungen ſtolzen Dame das Lächeln der Güte, welches auf ihrer Stirne thronte, und die holde Demuth, womit ſie den Sieg überſah, den ihre Schönheit errang.

Margareth war ſich des Eindruckes ganz bewußt, den ſie in der Geſellſchaft zu machen pflegte. Sie fühlte ſich glücklich in den Vorzügen, die ihr von der Natur verliehen worden waren, und zeigte ſich durchaus nicht geneigt dieſelben gering zu ſchätzen. Aber die Bildung ihres Geiſtes bewahrte ſie vor jeder lächerlichen Selbſt⸗ überhebung und ſetzte ſie in den Stand, genau die Gren⸗ zen einer liebenswürdigen Beſcheidenheit zu beobachten. Ihr Weſen war weit entfernt von jener Coquetterie, wodurch ſich Gertrud intereſſant und geltend zu machen wußte. Sie trat nie hervor, weil ſie des günſtigen Erfol⸗