der Eitelkeit lag, da war ich nicht mehr Herrin meiner
Sinne— gottlob, ich bin gerettet!“ „Wodurch, meine Kleine?“ fragte der alte Herr gütig. „Durch ein Geſpenſt!“ erwiderte Gertrud pathe⸗
tiſch. Und ſie ſchritten lachend hinab, um die wartenden
Sänften zu beſteigen.
Am Eingange des Opernhauſes war großes Ge⸗ wühl. Das Gerücht von einem Wunderkinde, welches, nach dem Ausſpruche des Hofkapellmeiſters Haſſe, die Welt in Erſtaunen ſetzen würde mit ſeiner Stimme, hatte alle die vielen Bewohner Dresdens, die der Kunſt mit Enthuſias⸗ mus anhingen, in's Theater gelockt. Das Wunderkind, Gertrud Eliſabeth Schmehling*), von ihrem Vater in reizender Corruption„Trudlischen“ genannt, ſollte an dieſem Abende in Haſſe’s Piramo e Tisbe die Partie der Tisbe ſingen— eine Rolle, die der geniale Komponiſt für ſeine ſchöne Gattin, der vergötterten Fauſtine Haſſe, eigens geſchrieben hatte. Das Publikum war ſehr geneigt dies Wageſtück lächerlich anmaßend zu finden, da der Vergleich mit der allbeliebten Darſtellerin der Tisbe jedenfalls dem Wunderkinde zum Nachtheile gereichen mußte. Man war neugierig auf den Erfolg, man ver⸗ ſprach ſich vielleicht weniger Genuß, als amüſanten Skan⸗ dal— genug, das Gedränge zeigte, daß es damals, wie
²) Die berühmt gewordene Mara.


