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wenn er wirklich politiſcher Angelegenheiten wegen in Dresden verweilen ſollte. Weshalb aber hätte er denn zwiſchen den Bedienten und Sänften auf ſie gewartet?
Das Fräulein hatte ſich in einen Vorbau des alten ſchönen Hauſes poſtirt, wie man ſie jetzt nur noch ſelten zu bewundern Gelegenheit findet. Zwei große Fenſter, gerade die Mitte der Fagade bildend, mit ſchweren ſeide⸗ nen Vorhängen von dem übrigen Zimmerraume abge⸗ trennt, mit ihren ungeheuer tiefen Niſchen gleichſam einem winzigen Kabinette gleichend, gaben ſo viel Raum her, um zwei koloſſalen Armſeſſeln von damalig weichſter Be⸗ ſchaffenheit und ein Tiſchchen zu beherbergen.
In einem dieſer Armſeſſel vergraben ruhete Gertrud wie ein verſtecktes Vögelchen und ſtrengte ihre Augen ſo ſehr an, daß nach und nach die Strahlen derſelben ver⸗ glommen. 3
Es hatte ſich ſonſt in dieſem lauſchigen Winkel ſo ſchön träumen laſſen, und plötzlich waren die einladenden Eigenſchaften des Armſeſſels in die Wirkungen eines Höllenaufenthaltes verwandelt. Es war nur zu verwun⸗ dern, daß ſich ſo wenig Trotz und Verdruß bei den Be⸗ mühungen ihrer Erwartung entwickelte. Unverdroſſen ſchauete ſie in die Dunkelheit hinaus, und ihre Stimme wurde immer ſanfter, je länger ſie vergeblich auf Junker Wolſ's erſehnten Anblick wartete.
1860. XIII. Gertrud. II. 13


