Teil eines Werkes 
2. Band (1860)
Entstehung
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mit ſüßem Behagen zum Kuße überließ, natürlich ohne die geringſte Luſt ihm jemals Liebkoſungen zu ſpenden. Minutenlang hatte ich beide Männer wohl gern ja, ich geſtehe dies ein. Aber im Hauſe, im Heiligthume ihres Lebens, wo Gertrud von Spärkan ſinnt und ſpinnt, wo ſie iſt, wie der Profeſſor Gellert ſie haben will, da da hat ſie nur Einen lieb, ach ſo lieb, ſo lieb, daß ſie vor ihm hinknieen, daß ſie für ihn arbeiten, daß ſie ſeinen Hals umſchlingen, ſeine Wangen, ſeine Lippen küßen und Stirn an Stirn ſo lange in ſeine Augen ſehen möchte, bis ſie ſtürbe!

Als ſie in leidenſchaftlicher Haſt dieſe Worte her⸗ vorgeſtoßen hatte, ſchien es wie ein Schrecken ihre Seele zu überfluthen. Sie riß ihre Augen weit auf und ſah in die Ferne.

Oho flüſterte ſie langſam.Ich will dieſen Einen aber nicht lieb haben, ich will nicht! Junker Wolf ſoll mein Freund ſein, aber nicht mein Geliebter, und wenn er heute früh nicht kommt, um mich zu ſehen, ſo kündige ich ihm auch meine Freundſchaft. Die Ruhe meines Ge⸗ müthes iſt mir zu lieb, als daß ich ſie an Chimären ver⸗ ſcherzen ſollte.

Jetzt war alle Sentimentalität aus ihren Erinne⸗ rungen weggelöſcht, jetzt war ſie wieder das trotzige Fräulein.