194
Sie ſenkte ihr Köpfchen beſchämt auf die rechte Seite und ging bußfertig ſchärfer mit ſich zu Gericht. Ihre Erinnerungen ſtellten ihr den Abend im Jagdſchloſſe vor, poo ſie den Prinzen Erich zum Abgott ihrer Träumereien machen wollte. Dann betrachtete ſie, immer bereitwilliger zu ihrer Selbſtverurtheilung, die zweite Verirrung ihrer Phantaſie, die vielleicht eine ganz andere Wendung ge⸗ nommen hätte, wenn Junker Wolf nicht plötzlich wie ein Geſpenſt dazwiſchen getreten wäre. Ein tiefer Athemzug hob ihre Bruſt, aber es blitzte ſchon wieder wie Sonnen⸗ licht durch Wolken, als ſie ihren Gedankenmonolog fort⸗ ſetzte:„Was grämt ſich denn Gertrud von Spärkan um etwas, das ſich nicht ändern läßt? Gertrud iſt doch nicht ſo thöricht, wie Margareth, und hält das für Liebe, was keinesweges Liebe iſt. Im Walde, an dem Abende, wo die Romantik mir ſo nahe getreten war, wo die Erſchei⸗ nung des Prinzen wie ein Märchenſchauſpiel auf mich einwirkte, nun da hätte ich mich wohl gefreut, wenn ich die Gleichgiltigkeit des wilden Herrn hätte in Demuth und Liebe verkehren können; aber der Gedanke, daß ich ihm eine Liebkoſung weihen ſolle, blieb mir doch ſehr fatal, trotz der Luſt ihn zu meinen Füßen zu ſehen. Im Ballſaal, wo mir des Barons Huldigung und Zärtlichkeit Throne bauete, nun da öffnete ſich unter dem Schutze der Dank⸗ barkeit mein Herz ſo weit, daß ich demſelben meine Hand


