mich immer„gnädiger Engel“ nannte und für mich zu beten verſprach, damit ich in jenen ſeligen Räumen dicht neben Gottes Thron zu ſitzen käme— meinſt Du dieſe Frau? Ja! Nun, für ſolche Leute habe ich kein Gefühl! Pfui, die Armuth, welche kriecht, welche bettelt und Cro⸗ kodillsthränen weint, die verachte ich, aber die Armuth, die mit unterdrückten Thränen arbeitet, die ehre ich. Der zu helfen, dazu treibt mich mein Herz!“
„Du haſt im Allgemeinen Recht,“ entgegnete Elvire gelaſſen,„allein wenn ſich eine arme, ſehr hilfsbedürftige Frau in den Mitteln vergreift, ein adeliges Fräulein für ihr Elend zu intereſſiren, ſo hat dies adelige Fräulein dadurch doch noch keineswegs das Recht gewonnen, trotzig mit dem Fuße aufzutreten und in voller Bosheit zu ſchreien:„Schert Euch aus dem Hauſe, ich will Euer niederträchtiges Gewinſel nicht mehr mit anhören. Geht! Geht! Sonſt hetze ich den Hund auf Euch!“ Gertrud, wenn der Profeſſor das erfahren hätte, ſo würde er Dir nimmermehr ein ſo liebreiches Lebewohl geſagt haben!“
Fräulein Gertrud ſah gar nicht traurig aus und ihre Stimme klang nichts weniger als beklommen bei der Frage:„Meinſt Du— meinſt Du? Es kommt dar⸗ auf an, wie es ihm erzählt worden wäre!“
„Ja, das glaube ich wohl,“ ſprach Elvire etwas ſtrenger.„Mit lieblichem Lächeln läßt ſich Manches be⸗ ſchönigen.“


