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was für Conſpirationen gegen ſie im Zimmer der Frau von Pröhl geſchmiedet wurden, ſo würde ſie mit der gan⸗ zen Kraft ihrer muthigen Natur den Plänen vorgegriffen und Margareth durch feſte Gelöbniſſe ſich unterthänig gemacht haben. Ein dunkler Gedanke an mögliche Fälle fuhr durch ihr Gehirn, und ſie warf trotzig das ſtolze Haupt zurück, als ſie dabei ihrer Verſprechungen gegen den Profeſſor gedachte. Sie war in dieſen möglichen Fäl⸗ len entſchloſſen, ſie nicht zu halten, ſondern die Macht ihrer Beredſamkeit im ganzen Umfange walten zu laſſen. Sie hatte auf Gellert's milden Einfluß gerechnet. Er hatte ſich ihren Anforderungen entzogen. Gut, ſo war ſie auch nicht verpflichtet, ihr Wort zu halten, das nur durch eine augenblickliche Beſchämung hervorgerufen war. Ja, ſie kam ſogar plötzlich zu der Einſicht, Gellert's Flucht für ein günſtiges Ereigniß zu halten, welches die Feſſeln lockerte, die er ihr angelegt hattte.
Sie fragte ſich jetzt in der Einſamkeit ihres Zim⸗ mers ernſtlich über die Abſichten ihrer nächſten Schritte, und ſie mußte ſich eingeſtehen, daß ſie ſich, einigermaßen überraſcht von der energiſchen Entſagung des Grafen Levin, etwas willenlos dem Strome kommender Ereig⸗ niſſe ausgeſetzt fand.
Sie hatte beabſichtigt, mit Hintanſetzung der gewöhnlichen Anſtandsregeln, Hinderniſſe aufzuthürmen,
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