Teil eines Werkes 
1. Band (1860)
Entstehung
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ihres Auges mahnt an die Seligkeit eines ewig wol⸗ kenloſen Himmels. Mit ihrer unnennbar ſchönen äußern Erſcheinung harmonirt ihre innere Begabung, mein Freund. Können Sie mir es verdenken, daß ich dies Ideal eines weiblichen Weſens den gierigen Klauen männlicher Leidenſchaft entzogen habe? Sie werden, trotz ihres ſechs⸗ zigſten Geburtstages, wie Sie immer mit abwehrendem Scherze ausrufen, Ihre huldigende Aufmerkſamkeit auf mein theures Mädchen richten, und das iſt's, was ich wünſche. Margareth's Seele muß überfüllt werden von der Macht des Geiſtes, damit ſie aus dem Rauſche erwacht, der ſie umfangen hält. Margareth muß gerettet werden, und nur Ihnen wird es möglich werden, ſie zu retten!

Ich freue mich unſers baldigen Wiederſehens und grüße Sie herzlich.

Mit vollkommener Selbſtzufriedenheit überblickte Frau von Wallbott ihr fertig gewordenes Schreiben und wiederholte nochmals in leidenſchaftlichem Tone: Margareth muß gerettet werden, und Voltaire wird ſie retten!

Hiütte ſie geahnt, was zur ſelben Zeitdie kleine, dumme Gertrud zur Frau von Pröhl ſagte, ſo würde ſie etwas hohnvoll gelächelt haben. Hätte ſie aber gewußt,