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wodurch die Hochzeit ihrer Nichte zuerſt aufgeſchoben werden ſollte, um ſpäter die Löſung ihres Verhältniſſes herbeiführen zu können. Sie hatte beabſichtigt, unter dem Schutze ihres weit und breit hochgeachteten Namens eine Vermählungsfeierlichkeit aufzuheben, aber es war ihr nie⸗ mals eingefallen, daran zu denken, daß ſie mit ihren Plä⸗ nen ſcheitern und durch die Uebereilung des leidenſchaft⸗ lichen Bräutigams in einen Zuſtand der Paſſivität ver⸗ ſetzt werden könne.
Sie läugnete es ſich in der Einſamkeit ihres Zim⸗ mers nicht ab, daß dieſer Wechſel ihr unangenehmer war, als ſie zeigte, daß es einer dreiſtern Stirn bedurfte, mit Margareth, der verlaſſenen Braut, in den Kreiſen zu erſcheinen, wo ſie zu leben gewohnt war, als mit einer geretteten, von unwürdigen Banden befreiten.
An Graf Levin's Schmerz dachte ſie gar nicht. In der kühlen Atmoſphäre, worin ſie ſich wohl gefiel, han⸗ delte es ſich mehr um den Ruhm eines glänzenden Ver⸗ ſtandes, als um die Glorien menſchlicher Güte. Sie war nicht herzlos, aber ſie war total verblendet. Aus dem Zir⸗ kel in Gotha, wohin ſie ſich, ſeit einem Zerwürfniſſe mit der Churprinzeſſin von Heſſen, deren Ehrendame ſie war, zurückgezogen hatte, in die nüchterne Proſa eines Land⸗ aufenthaltes verſetzt, glaubte ſie ſpielend das erreichen zu


