197
Angriffe, der einige Kränkung in ſich ſchloß. Sie kannte die Schwäche, die Güte, aber auch die Eigenthümlichkeit der Frau von Pröhl, und handelte ganz überlegt, als ſie ihr erſt mit harter, kindiſcher Hand Wunden ſchlug, um ſie durch Zärtlichkeit zu heilen. So lange dieſe Dame nicht aus ihrem ſorgloſen Eigenwillen herausgeſchüttelt war, ließ ſich nie etwas mit ihr anfangen. Sie gehörte zu den Frauen, die ſpielend ihren Willen durchſetzen, und ſich deſſen ungeachtet einbilden, gar keinen Eigenwillen zu beſitzen. Sie hielt ſich gern für unentbehrlich zum Glücke ihrer Familie, konnte aber zeitweiſe ihre Familie tüchtig quälen, und zwar durch ein gewiſſes neutrales Weſen, das ſchlimmer zu bekämpfen iſt, wie die ärgſte Oppoſition. Sie lachte ſehr gern, weil ſie dabei ihre wunderbar ſchö⸗ nen Zähne zeigen konnte, verſteckte aber auch gern hinter einem heitern Gelächter verſchiedene andere Dinge, zum Beiſpiel„ihrem Willen durch Worte keine feſte Geſtal⸗ tung geben zu wollen, oder auch die Unluſt, mit Müh⸗ ſeligkeit eine kluge Antwort zu erſinnen.“ Genug ſie lachte gern, viel und mit Abſicht. Wer ſich durch ihr helles, fröhliches Lachen blenden ließ und daſſelbe als eine Nachgiebigkeit für Anderer Abſichten nahm, der irrte gewaltig. Sie that nachher, was ſie wollte und ließ ihr Lachen nichts gelten. Gertrud hatte dies Lachen erſtickt.
war von ihr richtig berechnet, daß ihre Vorſchläge


