Teil eines Werkes 
1. Band (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

jungen Dame, die ſie ſpäterhin zu bemerken noch Gele⸗ genheit fand, für bräutliche Scham, welche unter den vorliegenden Verhältniſſen noch natürlicher und verzeih⸗ licher als ſonſt wohl war. Margareth kannte ihren Ver⸗ lobten kaum zehn Wochen, war ſeit acht Wochen ſeine Braut und ſollte in einigen Tagen ſeine Frau werden. Allerdings mußte Jeder zugeben, daß man kaum ſchneller die nöthigen Schritte und Stadien vor einer lebensläng⸗ lichen Vereinigung, wie die Ehe, abſolviren konnte, und es mußte Jeder glauben, daß nur mächtige und leiden⸗ ſchaftliche Gefühle von beiden Seiten das Brautpaar zu der Abkürzung aller üblichen Formalitäten veranlaßt hatten. Frau von Pröhl war auch einige Minuten lang ſehr verwundert geweſen, daß die zarte blonde Marga⸗ reth, mit dem ſanften ſüßen Geſichtchen, das ſo durch⸗ ſichtig weiß wie Alabaſter war, ſo ſtark leidenſchaftlich für ihren Levin entbrannt erſchien, um alle Prüderie des jungfräulichen Sinnes zu überwältigen; allein die Her⸗ zensfreude über die damit eingeſtandene Wahrhaftigkeit ihrer Liebe half ſogleich der momentanen Verwunderung ohne weiteres ab und brachte ſie auf immer zur Ruhe. Liebe mußte der Beweggrund dieſer Eile ſein Liebe von Seiten des Verlobten, der in der erſten ſtürmiſchen Herzenswallung darnach dürſtete, ſein errungenes Kleinod ſicher in Beſitz zu nehmen, Liebe aber auch von Seiten