Teil eines Werkes 
2. Theil (1864)
Entstehung
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ſich wieder und als Thilo mit ihm in Ettershaiden an⸗ kam, mußte man ihn aus dem Wagen tragen.

Es folgten jetzt ſchwere Tage voll Leiden und Be⸗ ſorgniß. Eine Woche lang ſchwebte der junge Krieger, der durch ſeine unzeitige Unruhe ſeinen Zuſtand ver⸗ ſchlimmerte, in Todesgefahr. Man gab ihn verloren,

nur Fides ſprach täglich mit frohem Gottesglauben feſt

und zuverſichtlich die Hoffnung aus, daß er nicht ſterben werde, und hob durch ihr kindhaftes Vertrauen den ſin⸗ kenden Muth Melitta's ſo weit, daß ſie ſich ſtandhaft der Pflicht der Pflege unterziehen konnte.

Erſt als die Lebensgefahr vorüber war, wanderte Fides an Thilo's Arm wieder in ihre eigene Häuslich⸗ keit zurück. Sie hatte ſich trefflich bewährt in dieſer Zeit der Angſt und Noth, warf ſich aber freudeſtrah⸗ lend an Thilo's Bruſt, als ſie wieder im lieben Daheim ſaßen und flüſterte ihm zärtliche Worte und Betheurun⸗ den zu.

Glaub' mir, mein Thilo, ich bin in dieſer Zeit zur Erkenntniß meines Glückes gekommen und habe in dieſer Erkenntniß den Zweifel beſtätigt gefunden, daß meine ſelige Mama Deinen Bruder nicht wahrhaft ge⸗ liebt haben kann. Ich wäre nicht im Stande geweſen die Trennung von Dir länger zu ertragen zu Fuß hätte ich eine Wallfahrt den Weg entlang, den Du kommen mußteſt, unternehmen mögen.