Teil eines Werkes 
2. Theil (1864)
Entstehung
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Thilo ſonnte ſich einen Augenblick in ihren zärtli⸗ chen Augen, ehe er antwortete:So lieb das klingt, ſo muß ich Dir Deine Anſicht rückſichtlich Deiner Mama doch widerlegen. Deine Mutter wurzelte mit ihrem Ju⸗ gendleben in einer weit verbreiteten und doch eng ge⸗ ſchloſſenen Familie, deren Gewohnheiten ihr als Tugen⸗ den erſchienen. Sie war dort ſo feſt heimiſch, daß ſie erſchreckt wieder dahin zurückfloh, als ihr des Lebens Zwieſpalt näher trat; daß ſie Deinen Vater niemals vergeſſen hat, zeigt ihr übriges Leben und Handeln.

Weißt Du, daß in Deinen Worten eine Lebens⸗ lehre und Lebensregel ſteckt? fragte Fides lachend. Danach werden die Männer am glücklichſten werden, die eine Frau finden, welche nicht aus den Banden ei⸗ ner großen Familie losgelöſ't werden muß. Dieſen Frauen wird der Mann Berather und Beſchützer, Vater, Freund und Geliebter ſein. Thilo küßte ihre Lippen und fiel mit heiterm Spotte ein:

Richtig! Aber leider können ſolche Frauen oft nicht ohne eine Melitta leben!

Doch ich kann's! ſagte die junge Frau mit plötzlichem Ernſt.Aber ich weiß, daß Du mir er⸗ laubſt, ſie immer zu lieben, bis an meines Lebens Ende!

Oswald's Geneſung verzögerte ſich bis zum Som⸗ mer. Er hatte ſeinem Commandeur unverzüglich Nach⸗