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dort in eines jener reizenden, verſteckten Cabinette
untergebracht, die ſich oben im zweiten Geſchoß des
hübſchen Amthauſes neben dem Saale befanden, wor⸗
in der geniale Prinz Louis ſeine bekannten Feſtins
zu feiern pflegte. In dieſem Cabinette, das durch eine
Tapete gänzlich unſichtbar von Außen war, hatte Os⸗
wald drei volle Wochen verſteckt gelegen, da der Ver⸗
rath wach und die Vermuthung ſeines Dortſeins ver⸗
derblich für die guten, treuen Amtleute war. Der Kampf⸗
platz hatte ſich zwar ſchon weiter nach der Saale hin⸗
gezogen, aber franzöſiſche Streifzüge, aus Magdeburg's Mauern geſendet, um zu plündern und zu brandſchatzen, machten die höchſte Vorſicht nöthig, wenn man Oswald nicht als Gefangenen fortſchleppen und ihn unter bru⸗
taler Behandlung ſeinen ſchweren Wunden erliegen ſehen wollte. Er war nothdürftig ſo weit geneſen, daß er vorſichtig fortgeſchafft werden konnte. Nun forderte Bi⸗
anca in ſeinem Namen Thilo's Rath, wie dies geſche⸗
hen ſolle und wohin er gehen müſſe, um ſicher ſeine Geneſung abwarten zu können. Melitta hatte den Brief geleſen und blickte gedankenſchwer über die Landſchaft
hinweg, nach Wangeroda hinunter. In ihrer Seele rang der Schmerz und die Freude. Vielleicht nahete hier⸗ mit das Ende ihrer innern Qual. Vielleicht hinderte ihn ſeine Wunden, wieder einzutreten in die Reihen ſei⸗ ner Waffenbrüder?


