Teil eines Werkes 
2. Theil (1864)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

211

Die Zurüſtungen zum ernſten Kampfe begannen. Das Licht der neuen Hoffnung entflammte den Enthu⸗ ſiasmus der ganzen Nation. Der patriotiſche Eifer übertraf alle Erwartungen. Alles drängte ſich zu den Panieren, die ihnen Freiheit verſprachen. Es war die Blüthe, es war der Kern des Volkes, von jedem Alter, von jedem Stande, der ſich ſammelte, bereit, Gut und Blut, Leib und Leben zum Opfer darzubringen.

Thilo durch ſein Ehrenwort von dieſem allgemei⸗ nen Kampfe ausgeſchloſſen, legte den größten Theil ſeines Vermögens, das er mühſam im Dienſte des Kai⸗ ſers geſammelt, auf den Altar des Vaterlandes und war nicht zu ſtolz, ſich von dem Vermögen ſeiner Fides erhal⸗

ten zu laſſen.

Während dieſer gewaltig aufregenden Zeit waren die Nachrichten aus dem ruſſiſchen Lager auf dem my⸗ ſteriöſen Wege, den Melitta hatte kennen lernen, immer ſiegesfroher und beſtimmter geworden. Obwohl ihr nie wieder ein Blatt davon zu Geſicht kam, ſo betrachtete ſie Thilo's gelegentliche Aeußerungen doch immer als Orakelſprüche und zitterte nach jeder Schlacht, bis ſie eintrafen. Es waren dieſe Nachrichten gleichſam Beſchei⸗ nigungen über Oswald's Leben und Geſundheit.

Die ſtete Unruhe und Spannung prägte das ſanfte und ſtillgeduldige Gefühl der Liebe weit unauslöſchlicher

14*