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lich ſeines Entſchluſſes, ſich einer ſchützenden Heimath zu berauben, mit einem widerſtrebenden Gefühle.
„Vielleicht in kurzer Zeit ſchon lerne ich dies Ge⸗ fühl kennen, mein Herr Marquis,“ antwortete er haſtig. „Mit dem Verkaufe meines Eigenthumes verliere auch ich eine Heimath.—“
„Aber nicht die Anſprüche Ihrer Geburt,“ fiel der Marquis lebhaft ein.„Und darin liegt ein ganz ab⸗ ſonderlicher Troſt, den derjenige erſt zu ſchätzen weiß, welcher dieſe Vorzüge verloren gehen ſah. Es giebt nach meiner Erfahrung nichts Entſetzlicheres, als ſich in Krei⸗ ſen bewegen zu müſſen, die uns nur dulden.“
„Ich dächte, dergleichen Erfahrungen wären in Ihrer Stellung nicht möglich.“
„Und wenn mich dieſe Erfahrungen in meine jetzige Stellung getrieben hätten?“
„Dann freilich wäre mir Ihre Sehnſucht nach einem Einſiedlerleben in einer ſichern Heimath erklärlich!“ ſprach Oswald mit Wärme.„Sie liehen Ihr beſſeres Selbſt nothwendigen Uebeln und ziehen es, nach erreichten Zwecken wieder zurück. Aber es würde an Wunder grän⸗ zen, ſollten Sie unverletzt an Leib und Seele aus den Wellen zurückkehren, denen Sie ſich anvertrauen mußten.“
„Sehe ich aus wie ein Schiffbrüchiger, Oswald?“ fragte der Marquis mit ſanfter, weicher Stimme. Os⸗ wald fuhr überraſcht in die Höhe.
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