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Sitte gemäß beim Abſchiede auf ihre Hand druckte. Warum erſtand gerade dies Bild vor ſeiner Phantaſie? Warum dachte er dabei an den ungleich ſchwereren Ab⸗ ſchied, der ihm, zufolge ſeiner politiſchen Entwürfe, nahe bevorſtand?
Ein unbeſchreibliches Weh durchzuckte ihn. Die friedlichen Träume ſeiner Jugend dämmerten wieder auf, wo er es als ausgemacht angeſehen hatte, daß Melitta Herrin in ſeinem hübſchen, einfachen Haushalte werden müſſe. Längſt, längſt waren dieſe Träume im Elende ſeines Vaterlandes untergegangen, warum tauchten ſie gerade jetzt wieder auf, wo ſich Alles ihrer Erfüllung und Verwirklichung entgegenſetzte?
Oswald warf energiſch alle entmuthigenden Ge⸗ danken aus ſeiner Seele und verſenkte ſich in die npro⸗ ſaiſchen Notizen, die er über ſein Hab und Gut gemacht, um ſie als einen Ueberblick benutzen zu können. Er whr nicht der Mann, welcher ſich durch das Klopfen ſeines Herzens von Entſchlüſſen abbringen ließ. Geduldignahm er zu ſeinen andern Qualen auch die Erkenntniß noch hinzu, daß ihm die Trennung von Melitta wahrſchein⸗ lich bei weitem mehr Schmerz verurſachen würde, als er bis jetzt geahnt.
Zu derſelben Zeit, wo Oswald mit Mannesmuth auch dieſem Schmerze zu begegnen ſich vornahm, ritt ein Mann im gemäßigten Schritte langſam an dem
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