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Dame, die ich beſchützen ſolle, in der proteſtantiſchen Religion aufgenommen ſei und auch darin verbleiben müffe, da es die Religion des Vaters wäre, deſſen Wil⸗ len man dadurch zu ehren gedenke.“
„Ah— jetzt begreife ich einen Auftritt, der am Sterbebette meiner Mutter ſtattfand,“ fiel Fides mit erſtickter Stimme ein.„Ich wurde mit Gewalt fortge⸗ führt, als einige Männer mit Gefäßen, Leuchtern und einem Jeſuskreuze kamen.“
„Ganz recht, meine Kleine! Deine Mutter war mit den Sterbeſacramenten verſehen, als ich zu ihr ein⸗ trat. Obwohl ich vorausſah, daß es mir einigen Kampf koſten würde, wenn ich ein wildfremdes bürgerliches Kind in meinem Hauſe aufnehmen wollte, ſo hatte ich dennoch, gerührt von dem Vertrauen, das Deine Mutter in mich zu ſetzen ſchien, ohne mich perſönlich zu kennen, ſogleich beſchloſſen, Dein Beſchützer zu werden.“—
„Sie haben alſo meine ſelige Mama beſucht?“ fragte Fides mit weicher Stimme.
„Ein einziges Mal! Als ich zum zweiten Male zu Euch kam, war ſie ſchon geſtorben und begraben. Ich holte Dich ab und empfing vom Pater Dameke
alle nöthigen Papiere, ſo weit ſie mein Vormundſchafts⸗
amt betrafen. Das Vertrauen Deiner Mutter dehnte die Rechte eines Vormundes bis zu den Rechten eines Vaters aus. Sie hatte mich teſtamentariſch zum Ver⸗
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