rung zu beſorgen habe, ſagte er mir ganz einfach:„Die Troſtbedürftigkeit einer Sterbenden führe ihn zu mir.“ Ich mochte ihn mit gerechtem Erſtaunen betrachten, denn er beeilte ſich fortzufahren, ehe ich ihn unterbre⸗ chen konnte und ſetzte mir entſchieden auseinander, daß nur ich im Stande ſei, das Ende einer ehrenwerthen Dame leicht zu machen. Auf meine höflich kalte Frage, worauf es ankomme, erfuhr ich weiter nichts, als daß ein übereilter Schwur den Willen dieſer Dame binde, daß ſie aber Willens ſei, meiner Ehre die Löſung eines Knotens anzuvertrauen. Wolle Gott nicht, daß ihr heißeſter Wunſch in Erfüllung gehe, ſo müſſe ſie ſich fügen, aber es laſſe ihr keine Ruhe, wenigſtens den Verſuch zu einem verſöhnlichen Ende aller Conflicte zu machen.“
Ettershaiden machte eine kleine Pauſe, die von Fides nicht unterbrochen wurde, obwohl ihr Herz darnach brannte, durch Fragen mehr hervorzulocken, als ihr Vor⸗ mund ihr gab.
„dDer Geiſtliche war mir nicht bekannt!“ fuhr Et⸗ tershaiden fort.„Es giebt in Berlin nur eine geringe Anzahl Katholiken, und ich war deshalb ſehr überraſcht, als er mir plötzlich bemerklich machte, daß er katholi⸗ ſcher Pfarrer ſei und auch die Dame ſich zur katholi⸗ ſchen Confeſſion bekenne. Noch höher ſtieg meine Ueber⸗ raſchung, als er mir vertraute, daß die Tochter der


