Teil eines Werkes 
1. Theil (1864)
Entstehung
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Niemand gewagt, dem Mündel, welches ein Ettershaiden in ſeinem Hauſe eine Freiſtatt geboten hat, eine ehren⸗ werthe, wenn auch bürgerliche Abkunft abzuſprechen. Können Sie aber den Leuten die Gedanken ver⸗ bieten, Herr Vormund? fragte Fides mit einem Ernſte, den ihr kein Menſch zugetraut hätte.Ich will auch nicht mit einem einzigen Gedanken meine Eltern belei⸗ digt wiſſen. Was ich in Andeutungen aus dem Munde der gnädigen Frau vernommen habe, öffnet mir das Verſtändniß mancher Verhältniſſe. So lange ich mich als die Tochter eines ehrlichen und reichen Bürgers ff betrachtete, hatte ich eine Stütze an dem Glauben die⸗ ſer Ehrenhaftigkeit, Herr Vormund. Jetzt iſt mir die⸗ ſer Halt genommen und ich finde nirgends Grund und 1 Boden, mich dem Spottlächeln der Leute widerſetzen 3 zu können. Ich glaube, daß ich im Namen meiner Mutter eine Aufklärung meiner Familienverhältniſſe for⸗ dern muß!

In Hinſicht auf Deine perſönlichen Gefühle gebe ich Dir recht, meine Kleine, erwiederte Herr von Et⸗ tershaiden ruhig.Wenn ein Kind die Achtung für ſeine Eltern angetaſtet ſieht, ſo iſt es naturgemäß, daß 5 es die Ehre derſelben feſtzuſtellen ſucht. Der Caplan Deines Großvaters lebt noch und ſteht in hohen Eh⸗ ren. Ich werde mich mit der Bitte um Aufklärung an ihn wenden ſage Dir aber im Voraus, daß dieſer